Es grünt so grün wo Grönlands Blüten blüh’n

Es grünt so grün wo Grönlands Blüten blüh’n

Die jüngste Hitzewelle hat Europa erfasst. Der Beste Ehemann der Welt und ich werden um unsere schattige, dunkle Erdgeschosswohnung allenthalben beneidet – von genau den Menschen, die wir noch vor wenigen Jahren um ihre sonnigen Dachterrassen beneidet haben. Der Bürohund verkriecht sich in den kühlen Keller, mobile Klimaanlagen sind der Verkaufshit im Baumarkt, nur die Shorts und Sommerkleidchen freuen sich: Endlich müssen sie im deutschen Sommer kein Schattendasein in der hintersten Ecke des Kleiderschranks mehr fristen, sondern ziehen täglich triumphierend an den leichten Schals und Strickpullis vorbei und dürfen die Welt sehen.

Apropos „die Welt sehen“: Auch beim Sommerurlaub ist eine Trendumkehr zu erkennen. „Wir überlegen, dieses Jahr nicht nach Sizilien, sondern lieber nach Norwegen zu fahren“ hört man jetzt – so oder in ähnlicher Form – häufiger. Die gute alte „Sommerfrische“ wird immer populärer, und die Arktis erscheint plötzlich nicht mehr als absurdes Reiseziel für abenteuerlustige Weltenbummler, sondern wird zum neusten Verkaufshit im Reisekatalog der großen Massenanbieter.

Bei meinen ersten Reisen in den kühlen Norden (oder Süden) erntete auch ich hauptsächlich ein verständnisloses „Aber WARUM?“. Das fragt sich heute keiner mehr; wer unter der ungewohnten Hitze stöhnt, betrachtet meine Bilder von Eisbergen und Gletschern eher mit einem sehnsüchtigen „Da wäre ich jetzt auch gern!“.

Eigentlich wollte ich daher einen kritischen Beitrag über den Tourismus in die (Ant)arktis verfassen, aber was hilft es, die bevorstehende sommerliche Massenflucht in die letzten verbleibenden kühlen Regionen der Erde zu verteufeln? (Spoiler: Hilft nix. Sie wird dennoch stattfinden) – auch wenn gerade die Pioniere des arktischen und antarktischen Tourismus ihm inzwischen desillusioniert wieder den Rücken kehren (wie dieser (englische) Artikel aus dem „Independent“ erläutert). Also mache ich die Daheimgebliebenen lieber mit Bildern von Eisbergen ein bisschen neidisch, und mit den mahnenden Worten: Wenn zukünftige Reisende den hohen Norden oder tiefen Süden bereisen, verhaltet Euch bitte nicht wie Touristen. Sondern wie gute Gäste. Hinterlasst die Orte schöner und sauberer, als Ihr sie vorgefunden habt; verlasst sie so, dass ihre Bewohner sich darauf freuen, dass Ihr zurückkehrt, statt froh zu sein, dass Ihr endlich weg seid.